Uniformierte Gesellschaft

Da meint man zu wissen, der gemeine Russe hat einen gepflegten Hang zur Homophobie, und schwups kommen Sie in einer dezenten, pinken „Schläger-Cop“-Uniform um die Ecke.
Auf dem Bild sieht man geradezu, mit welcher Inbrunst, die beiden Uniformträger aus der kaukasischen Provinz, ihre neue Uniform präsentieren.

Aber Uniformen begegnen uns in unserer Gesellschaft jeden Tag, vielleicht nicht alle so schlicht und leuchtend wie auf dem Bild. Sie zeigen uns, wohin jemand gehört und was er ausdrückt.

Sehr beliebt neuerdings die Klamotte von Camp David. Ein Label geradezu geschaffen für den Endvierziger-Lebemann.
Er will uns damit auf mehr oder weniger verzweifelte Art und Weise zeigen, dass das Leben nach den Vierzigern hip und hop ist und man lange nicht zum alten Eisen gehört und es noch mit jeder Tresenschlampe aus der Dorfdisco in Hintertupfingen locker angehen lässt.
Ein Mann der so eine Camp David Ausstattung spazieren führt, meist ein buntes cooles Polohemd, verrät uns auf der Straße, dass ihn der Hafer sticht.

Diese Art der Uniformierung ist mir erstmals in den 80er begegnet.
Damals hieß das Outfit „Uncle Sam“.
Es zeigte uns, dass der Träger dieser Klamotten zu der Fitness- und Bodybuilder Society gehört.
Braungebrannt saßen die kleinen Hobby He-Männer in ihren Joggingflitschen im Eis-Cafe und schlürften selbstverliebt ihren Eiweissshake.

Später irgendwann in der Versenkung verschwunden wurden sie in den 90er abgelöst durch das ultimative Ed-Hardy-Outfit.
Jeder der meinte eine Geige zu spielen, und sei es nur die Arschgeige und richtig angesagt war, klemmte sich in so einen bunten Ed Hardy Fummel.
Die Bezeichnung Augenkrebs machte erstmals von sich reden.
Plötzlich war auch diese Uniformierung in gewissen Kreisen nicht mehr angesagt.
Es sei denn man kommt aus Köln Mülheim oder anderen Brennpunktregionen einer Großstadt. 
Obwohl – auf dem Land hat sich diese Uniform auch noch gehalten und es gibt Regionen im tiefsten Oberbayern da gehört sie gerade jetzt zu den angesagtesten Verkleidungen.
Oft sieht man dieses bunte Ed Hardy Zeug noch im TV, z.B. bei Frauentausch, Familien im Brennpunkt oder Schwiegertochter gesucht – also überall da, wo sich die Leuchten unserer Gesellschaft profilieren müssen.

Heute sind längst andere Uniformen angesagt. Jack Wolfskin z.B. – es zeigt uns, dass selbst der letzte adipöse Stadt-Stubenhocker eigentlich tief in sich drin das Zeug zum Outdoor-Survival-Freak hat, und wenn er wollte könnte er mit seiner Gertrude die höchste Halde in Gelsenkirchen erklimmen – aber er will und braucht das nicht.

Dazu gesellen sich eben die Eingangs erwähnten Camp-Davids. Die müssen aber nirgends rauf, die müssen nichts beweisen, die sind einfach nur da.

Bei Frauen gestaltet sich die Art der Uniformierung derzeit viel akrobatischer. Immerhin müssen sie versuchen in viel zu engen Miniröcken und auf mind. 12cm HighHeels durch die Kopfsteinpflaster-Hinterhöfe der Republik stolpern.
Das alles nur um die Aufmerksamkeit der graumelierten Panther auf sich zu ziehen, die sich in Aluminiumanzügen aus viel zu engen Porsches quetschen bis ihnen die Hose platzt.
Das geht meist so lange gut, bis eine Tschechin, Polin oder andere „-rin“, mit mind. 25cm HighHeels und dem galanten Gang einer Giraffe, die Show stiehlt.

Es ist halt nicht leicht mit der Uniformierung und wenn man es genau betrachtet, haben es die beiden Polizisten aus Russland mit ihrer pinken Uniform, noch am besten erwischt.

 

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