Herzlich willkommen im Pipikakaland

Eigentlich wollte ich in diesem Blog nicht zu politisch werden.
Aber manchmal passieren Dinge, bei denen jeder Mensch gefordert ist aufzustehen und zu sagen: halt Stop!

Was da gerade verstärkt im Osten unseres Landes passiert, ist kaum noch zu ertragen.
Gemeint sind die schweren Ausschreitungen vom braunen Mob in #Freital und #Heidenau.
Ich bin wirklich gespannt, ob und wann Vertreter der Bundesregierung hier klar Stellung beziehen und endlich von Terrorismus sprechen. Denn dies sind keine „Besorgten-Bürger“ wie sie doch so gerne verniedlicht werden.
Was ist das für ein Pipikakaland in dem alle Autorität der Regierung, von Polizei bis Justiz, die weiße Fahne schwenken und unfähig sind zu reagieren?

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Aufmarsch in Freital „Wir sind das Volk“

Niemand muss sich darüber wundern, daß in einem rechtsextremen Klima tatsächlich Nazis heranwachsen.
Besonders beschämend ist, dass dies gerade im Osten des Landes so vehement geschieht.
Anscheinend haben sie ihre eigene Flucht damals über Ungarn vergessen. Die Zeit in der sie selber als Flüchtlinge von uns aufgenommen und aus der Prager-Botschaft befreit wurden.

Ich erinnere mich noch gut an die Bilder und ich frage mich ernsthaft ob die Leute die damals unter Tränen und dankbar in unseren Armen lagen nun auch Steine auf Asylheime und Notunterkünfte werfen.

Flucht über Ungarn
Flucht über Ungarn

Ich frage mich, wie schnell kann man Geschichte vergessen?
Was genau braucht es, daß Menschen zu Arschlöchern mutieren?

Es ist verrückt wie die Bilder sich doch gleichen – damals hinter den Zäunen der deutschen Botschaft in Prag, ängstlich und eingeschüchtert, geflohen vor einem menschenverachtenden Regime.
Und heute stehen da einige genau wie damals, nur auf der anderen Seite des Zauns und werfen mit Brandsätzen auf Flüchtlinge.

Deutsche Botschaft in Prag
Deutsche Botschaft in Prag 1989 – DDR Flüchtlinge

Solche Geschehnisse, angesichts der Geschichte, machen mich fassungslos.
Wer den braunen Mob frei wüten lässt, muss sich nicht wundern einen braunen Anstrich zu bekommen.
Es soll mir jetzt auch keiner kommen und sagen ich solle nicht verallgemeinern – jeder Einzelne ist sehr wohl für das Klima in der Region ist in der er lebt verantwortlich.
Die Leute müssen eben ihren Arsch hochbekommen, wenn ihnen meine Verallgemeinerung nicht passt und vor ihrer Türe den braunen Rotz weg fegen.

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13 Kommentare auf “Herzlich willkommen im Pipikakaland

  1. Tja, was soll man dazu sagen? Rechtsextreme sind weiter verbreitet, als zugegeben wird. So war es irgendwie immer, so habe ich Deutschland nicht anders kennengelernt.

    Neulich wurde hier in der Stadt eine junge Frau von zwei Flüchtlingen vergewaltigt. Schlimme Sache. Aber seitdem zerreissen sich alle möglichen Menschen auf den Straßen die Münder darüber. Da fallen Beleidigungen, die gehen an die Nieren… Das ist nicht mal nur auf Deutsche bezogen. Alle „Einheimischen“ zerreissen sich den Mund.

    Mal abgesehen von den Beleidigungen wäre das soweit verständlich, denn es war eine schlimme Sache. Aber was mir persönlich daran zuwider ist, ist die Tatsache, dass das öfter vorkommt. Ständig wird irgendwo jemand getötet oder sonst wie misshandelt. Doch darüber redet niemand, wenn dann nur mal kurz.

    Nur jetzt – wo zufällig ein Flüchtling involviert ist, da wird ein riesen Stadtgespräch daraus. Und letztendlich scheint es mir, als würde in diesen Gesprächen jeder beleidigt werden.

    Man sollte diese Menschen einmal in die Haut eines Flüchtlings stecken…mal sehen, wie groß das Gerede dann noch ist, wie groß der Protest noch sein würde. Es muss schrecklich sein, einfach sein ganzes Leben zurück lassen zu müssen, in Angst in irgendein fremdes Land zu kommen. Zu müssen, um des eigenen Leben willens.

    Wir haben doch genug. Eigentlich muss hier in deutschland niemand hungern. Schon klar, eingentlich. Aber es muss eben nicht passieren. Dank den sozialen Hilfen muss niemand hungern. Und wir haben genug. Diese Menschen haben nichts mehr, womöglich nicht mal mehr die Familie. Manche sind allein. Allein in beengten Unterkünften.

    Aber mal selbstlos etwas helfen…das ist den meisten Fremd. Meckern hingegen, das können sie wiederum alle.

    1. Das ist das traurige – ein Land angekommen am Ende der Fahnenstange weil es nicht begreift, allein mit Meckern werden keine Probleme gelöst. Missgunst und Meckerei vergiften das Klima so sehr, dass man sich fragt – was will man noch im Pipikakaland.

      Ich bin in meinem Leben schon oft angeeckt weil ich meine Klappe nicht halten kann, weil ich sage was ich denke und das ist nicht wirklich bequem.
      Aber rückblickend kann ich sagen, ich bin mit meiner Performance im Reinen.
      Vielleicht sollten einfach viel mehr Leute für ihre Überzeugung einstehen und nicht länger der Duckmäuser sein, der in diesem Land so angesagt ist.

  2. Ich wohne ganz in der Nähe dieser Regionen und bin beschämt und entsetzt über diese Entwicklung.
    In meinen Arbeiten positioniere ich mich unmissverständlich.

    Auf Facebook war ich mit leider nur wenigen Menschen eine derjenigen in meiner Region, die sich vehement gegen den braunen Mob wehrten.

    Im Osten herrscht eine enorme „Jammermentalität“, die mich wütend macht.
    Sie haben tatsächlich vergessen, wie es ist, ein Wirtschaftsflüchtling zu sein.
    „DEN ARSCH HOCH BEKOMMEN“, ist genau der richtige Ausdruck, würde ihnen zu Gesicht stehen.

    Doch nun schlage mal vor, wie wir, die hier leben, das Braune im Hirn der Anderen ausradieren sollen.

    Dabei ist mich wichtig, was GETAN wird und nicht, was gesprochen wird – womöglich noch zufrieden, Chips knabbernd auf der Couch oder im Netz meckernd.

    Der Deutsche strotzt vor Bequemlichkeit und nicht nur im Osten!

    1. Du hast völlig Recht mit dem was du sagst und ein Patentrezept gegen diesen braunen Müll gibt es wahrscheinlich nicht. Der Deutsche neigt ohnehin zum Nöhlen und bringt sich nicht gerne selber ein, darum ist es wirklich schwierig eine Bewegung zu mobilisieren.
      Ich denke der entscheidende Punkt liegt in dem alten Satz, wehret den Anfängen.
      In der Region wo ich lebe würde sich niemand trauen mit Glatzen und NPD Heinis auf die Straße zu gehen und Steine zu werfen, ganz einfach weil er dann völlig unten durch wär in der restlichen Gemeinschft. Dieses laute braune Verhalten ist da einfach nicht angesagt.
      Was an den Stammtischen passiert außerhalb der Menge und wie dort abfällig geredet wird kann ich nur vermuten aber das ist noch weitgehend unter dem Radar.
      Wenn sich so ein Klima aber ändert und die schweigende Masse eben nicht vehement diese braunen Spinner einbremst, dann wird es echt schwer, weil man dann doppelte Kraft aufbringen muss.
      Ihr dürft dort in eurer Region einfach nicht müde werden die schweigende Masse zu mobilisieren und ein sichtbares Zeichen setzen dass nicht alle so sind.
      Ihr dürft nicht zulassen dass die gesamte Republik mit dem Finger auf euch zeigt. Das musst du allen klar machen denn darum geht’s. Es ist ohnehin schon beschämend dass in vielen amerikanischen Reiseführern der Osten Deutschlands als No-Go Area beschrieben wird. Das dürft ihr nicht zulassen dass so einige wenige das Ansehen einer ganzen Region in den Dreck ziehen.
      Das ist die Motivation und das ist es wert!

    1. Ich denke zu deinem Text – jeder Mensch kann in seinem Rahmen sehr viel tun und mag das auf den einzelnen wenig erscheinen, so ist das in der Masse sehr sehr viel.
      Ich gebe dir ein Beispiel; in der Region wo ich lebe, bin ich und einige andere sehr darauf bedacht, die Online-Kommentare des hiesigen Mediums zu lesen. Wir melden diese sofort, wenn da mal wieder etwas steht von „Wer braucht diese Asylanten – lasst sie doch absaufen“
      Das Resultat der Mühe – inzwischen tauchen dort kaum noch oder fast keine solcher Kommentare mehr auf. Das mag wenig erscheinen ist aber ein kleiner Sieg und ein wichtiger Schritt.
      Ich persönlich denke, dass so eine Zivilcourage in manchen Ostregionen bisher unterschätzt wurde und Kommentare dieser Art sich schlagartig ausgebreitet haben. Man darf hier nicht hoffen und auf die Eliten bauen – das ist quatsch, jeder muss hier für sich loslegen und einschreiten wo er kann.
      Im Kleinen oder Großen.

    1. Das ist ein sehr, sehr guter Text im Spiegel.
      Und du hast völlig recht es ist beschämend.
      Um hier unseren alten WM-Slogan zu zitieren: Die Welt zu Gast bei Freunden

  3. Bin mit allem einverstanden außer:
    „Anscheinend haben sie ihre eigene Flucht damals über Ungarn vergessen.“
    Diejenigen, die damals über Ungarn, vorher über die Mauer oder später halbwegs ungehindert geflohen sind, sind i.d.R. doch im Westen geblieben, oder? Das Pack in Freital, Heidenau usw. hingegen hat den A… nicht hochgekriegt; da ist nichts, was die vergessen könnten.

    1. Aber so eine Erfahrung muss man doch weiter geben?
      Meine Großeltern haben mir als Kind auch immer von ihrer Flucht erzählt und dass man sowas nicht vergisst und niemals vergessen sollte.
      Wer hat da versagt?

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