Mutiges Deutschland – gut gemacht!

Manchmal passieren Dinge, die ein gesamtes Gefühl umkehren und eine Meinung revidieren. Gestern noch haben wir uns über den braunen Mob aufgeregt und heute zeigen die Menschen in unserem Land wie sie wirklich mit Herausforderungen umgehen. Gemeint sind die Menschen in Bayern, München und Rosenheim, die seit Montag mit einer unglaublichen Flüchtlingswelle konfrontiert sind. Über soziale Medien, Twitter und Co haben sich binnen kürzester Zeit die Menschen verabredet um zu helfen. Wo man gestern noch Scham und Enttäuschung verspürt hat, angesichts der Vorkommnisse in #Freital und #Heidenau, ist man heute überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Die Menschen zeigen eindrucksvoll, wie man mit einer besonderen Situation umgehen kann.

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Mein Bild des Tages – so geht man mit Herausforderungen um. (Quelle Thomas Gaulke, München)

Wer in München am Hauptbahnhof oder in Rosenheim vor Ort war, konnte es sehen und spüren zu welcher Hilfe unser Land bereit ist und man kann zurecht stolz darauf sein. Mich haben in letzter Zeit viele Menschen aus Sachsen gefragt, wie sie denn den Eindruck von Sachsen ändern könnten, ich finde das was in Bayern passiert ist, wäre ein gutes Beispiel. Natürlich kann man jetzt fragen, wo verdammt ist der Staat und warum sind die Behörden so schlecht vorbereitet. Ich finde aber, diese Frage stellt sich gar nicht, denn angesichts dieser Herausforderung muß eine Gesellschaft zusammen stehen und beweisen dass sie funktioniert. Meine Oma konnte sich nach dem Krieg auch nicht auf die Couch setzen und fragen wann die Regierung ihr Haus wieder aufbaut – manchmal sind alle gefragt mit anzupacken und gemeinsam ein Problem zu lösen. IMG_3561 Doch das besondere daran ist, unsere Gesellschaft funktioniert. Die hilfsbereiten Menschen freuen sich helfen zu können. Man sieht keine verkniffenen Gesichter. Alles läuft in einem entspannten Rahmen und dieses besondere Gefühl hier füreinander einzustehen, war überall greifbar. Fast schämt man sich für die Tage als man seine kostbare Zeit damit verschleudert hat, sich über diesen braunen Nazidreck aufzuregen, denn in Wirklichkeit ist das die Minderheit und man kann diese bekämpfen in dem man zeigt, wie es anders geht. Alleine in München und Rosenheim wurden in den letzten beiden Tagen über 5.000 Flüchtlinge erfasst und aufgenommen. Dies ist eine sehr beachtliche Zahl und angesichts der Menschen die noch in Ungarn festsitzen, ist anzunehmen dass auch in den nächsten Tagen noch einige ankommen werden. Leider ist es so, dass diese Menschen in Österreich weder kontrolliert noch erfasst werden. Die Österreicher lassen diese Menschen einfach in Sonderzügen in Wien sitzen und schicken sie weiter. Dank der Hilfe der Freiwilligen in Wien bekommen sie etwas zu Trinken, und das nach vielen Wochen Flucht in Ungarn. Darum ist es in München schwer abzusehen, ob und wieviele Menschen derzeit noch auf dem Weg zu uns snd Benötigt wird bei der Ankunft vor allem stilles Wasser in kleinen Flaschen, Obst, Lebensmittel, Traubenzucker und vor allem Babynahrung, Windeln und Spielzeug für die Kinder. Ich gebe hier den Rat sich mit der Einsatzleitung der Bundespolizei in München oder Rosenheim abzusprechen was benötigt wird, denn vieles ist schon da dank der Hilfsbereitschaft. Beim Hauptbahnhof München solltet ihr den Nordeingang aufsuchen wenn ihr Lebensmittel oder Hilfe bringt. Die Geschichten der Menschen die dort eintreffen sind kaum vorstellbar. Ein Mann der mit seinen 3 Kindern und seiner Frau im Rollstuhl quer durch Syrien, Türkei und die Grenzzäune Ungarns geflohen ist. Das kleine Mädchen, der auf ihrer Flucht durch Afghanistan von den Taliban die Finger abgeschnitten wurden. Diese vielen Geschichten werde ich vielleicht irgendwann in eigene Blogs mal veröffentlichen. Oder jeder ist eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen und mit den Menschen zu sprechen. Es sind diese Bilder die einen wieder stolz machen auf unser Land. Als da z.B. eine Gruppe von Nazis steht, extra angereist, irgendwo aus dem Osten um die ankommenden Flüchtlinge am Bahnhof zu beschimpfen. Da stellt sich eine ältere Dame vor ihnen auf und sagt ihnen richtig die Meinung. Sie war kaum zu beruhigen angesichts ihrer Aufregung über den braunen Mob. IMG_3557Es sind diese Bilder über die wir berichten sollten, die zeigen wie unser Land funktioniert. Es sind diese Geschichten die zeigen, dass wir eben kein Volk von braunen Versagern sind, sondern von Menschen, die Herausforderungen anpacken und sich ihrer Verantwortung stellen. Das war richtig gut! IMG_3559 (Bildquelle: TZ München / Thomas Gaulke)

8 Kommentare auf “Mutiges Deutschland – gut gemacht!

  1. Hat dies auf rebloggt und kommentierte:
    DAS wollen wir lesen – diese Art von Berichten. DAS wollen wir sein: Menschen. Denn nur das ist unsere wirkliche „Nationalität“. Ich danke Chris für diesen Beitrag:

  2. Nein, wir sind kein Volk von braunen Versagern. Wir wollen bunt bleiben. Vielen Dank für diese Zusammenfassung der Normalität. Denn nur so kann es bestehen, das, was wir Menschlichkeit nennen…

  3. Hat dies auf Mitzi Irsaj rebloggt und kommentierte:
    chrisslombardi hat in Worte gefasst, was mir gestern auf dem Heimweg durch den Kopf gegangen ist. Besser als ich es könnte. Als Münchnerin hat es mich gefreut, die Solidarität in der Stadt zu spüren. Es sind diese Geschichten und Begebenheiten, egal ob München oder anderen Städten, die Mut und Hoffnung machen, dass wir diese Herausforderung in den Griff bekommen werden.

  4. Ein wirklich schöner Beitrag, der zeigt, dass es auch Menschen mit Herz gibt und die in Flüchtlingen Menschen erkennen, die unsere Hilfe brauchen. Danke!

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