Kackfähnchen-Therapie

… oder die Kunst der konfrontationslosen Konfrontation.

Als ich noch ein kleiner Junge war, lebten wir in einem Haus mit Eckgrundstück ohne Gartenzaun. Ich erinnere mich genau wie meine Mutter bei der täglichen Küchenarbeit aus dem Fenster hinaus in den Garten schaute, während sie die Teller aus der Spüle abtrocknete.

Sie beobachtete immer die Nachbarn, wie sie mit ihren Hunden um unser Grundstück flanierten. Von Zeit zu Zeit raunte sie so etwas wie “ich habs gewusst die feine Frau Doktor Wohlschläger lässt ihren Köter schön in unseren Garten scheissen”

Wer jetzt denkt meine Mutter hätte das Fenster geöffnet und etwas unflätiges hinaus gebrüllt, der irrt sich. Meine Mutter hat so eine Form der direkten Konfrontation verabscheut.

Eines Tages fing sie an aus Trinkstrohhalmen kleine Fähnchen zu basteln. Immer wenn sie einen unserer feinen Nachbarn dabei beobachtete wie er seinen Hund in unseren Garten kacken ließ, nahm sie so ein Fähnchen, beschriftete es mit dem Namen des Hundehalters und steckte es schön sichtbar in den noch frischen Hundehaufen. Da wir wie gesagt ein Eckgrundstück mit schönem Rasengarten bewohnten, sammelten sich schnell einige Hundehaufen mit passendem Kackfähnchen an. Der halbe Garten war übersäht mit Haufen samt Fähnchen auf denen stand z.B. Frau Doktor Wohlschläger, Herr Eichholz, Frau Hahn oder Herr und Frau Döppenschmitt.

Ich als Kind fand das besonders witzig dass nicht etwa die Namen der Hunde, also der Verursacher auf den Kackhaufen standen, sondern die der Herrchen und Frauchen.

Diese konfrontationslose Art der Konfrontation verunsicherte unsere Nachbarn derart, dass sie sogar versuchten, sich bei Dunkelheit in unseren Garten zu schleichen, um ihr Kackfähnchen aus dem Haufen ihres Hundes zu entfernen. Manchmal gelang es ihnen, manchmal wurden sie mit einem freundlichen “Guten Abend” meines Vaters, der sie dabei beobachtete, abgehalten. Meistens aber wurden die entwendeten Fähnchen von meiner Mutter durch neue ersetzt. Es war quasi zu ihrem Hobby geworden.

Nun was soll ich sagen, unsere Nachbarn haben es gehasst ihre Namen öffentlich sichtbar in vor sich hin verrottenden Hundehaufen zu lesen. Ich glaube mich zu erinnern, dass wir nach einiger Zeit das einzige Hundehaufen freie Eckgrundstück in der gesamten Siedlung waren.

Nach dem unglaublichen Erfolg dieser Maßnahme, wünsche ich mir manchmal, diese erprobte Aktion wieder aufleben zu lassen. Es gibt so viele Situationen im täglichen Leben, wo irgendwer, irgendwo Kacke baut. Dann sollte man ein Kackfähnchen zur Hand haben und es stellvertretend in irgendeinen Hundehaufen stecken.

Meine Mutter wäre sicher stolz.

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