Germanys next Topmodel – Rezension

 

Pünktlich am 14. Mai zum Vatertag, war es endlich soweit und das 10. Jubiläumsfinale von Germanys Next Topmodel flimmerte über den Bildschirm. Die vielen Väter im ganzen Land konnten sich einen ersten Eindruck verschaffen, zu welchem Ruhm es ihre einfältige Nachkommenschaft von Schulabbrecherinnen mit Plastiktittenwunsch bringen könnte, wenn sie über die richtigen „Modelmaße“ und eine gewisse Leichtigkeit im Hirn verfügen.

10 Jahre flimmert dieser Mist schon über den Bildschirm und kleinen Mädchen wird eindrucksvoll vermittelt, wie eine Frau auszusehen und sich zu verhalten hat. Auch in diesem Jahr waren wieder beide Model-Typen vertreten: Haut und Knochen.
Dabei werden sie von anderen Teenies bewundert, die dauerhaft vor Ekstase schreien.
Ein Wahnsinns-Format und quasi seit 10 Jahren unverändert – was im Modelgeschäft schon für Generationen steht.

Ich denke mir noch, wenn hier tatsächlich das Vorbild der Teenies gezeigt wird, sollte man sich als Mann ernsthaft überlegen schwul zu werden.
Gerade als ich mich mit dem Gedanken näher anfreunden wollte, nimmt die Show an Fahrt auf.

Mit einem Eröffnungs-Act wie aus der Choreoschmiede der Hölle entstiegen; als wäre Detlef D. Soost persönlich aus den Tiefen des schlechten Geschmacks auf die Bühne gehüpft.
Die Mädchen laufen brav auf und ab ohne zu stolpern, wofür sie auch gleich frenetischen Beifall erhalten und die ersten Teenies im Saal hyperventilierend unter den Tischen liegen.

Dann kommt Hayo mit Pommes und der olle Onkel Joop, der längst wegen zu exzessiven Botoxkonsums auch seinen letzten Gesichtsausdruck verloren hat.
Allen sieht man deutlich an, dass sie viel lieber woanders wären. Hayo wünscht sich an seinen Platz mit seinem Alpaka vorm Hertie in Frankfurt – wo ich ihn schon des Öfteren meine hab sitzen sehn. Der Sound ist so mies als mischt ein tauber, bekiffter Schimpanse den Ton im Saal ab – aber was solls – zum hören ist das Konzept auch nicht da.
Alles wird sowieso von einem Teeniegeschrei-Dauerfeuer übertönt.
Onkel Joop wirkt zwischenzeitlich wie auf Droge – und ich mache mir ernsthaft Sorge aufgrund seines grenzdebilen Dauergrinsens, ob er die Sendung bis zum Ende übersteht.

Dann Auftritt Showact (dessen Name ich schon vergessen habe) der mehr teilnahmslos als engagiert auf seinem Podest herum hopst, dazu die für GNTM und Pro7 typisch blecherne Sounduntermalung.
Auftritt der „Mädchen” in überdimensionalen Babypuppenkartons, in denen sie vorsorglich auf ihre spätere Rolle im Leben vorbereitet werden.
Darauf folgt ein gähnendlanger Rückblick auf the worst- bzw. best-of der Staffel.
Der Rückblick zeigt eigentlich nur zwei Arten von Mädchen, die die ständig zicken, nöhlen und zoffen, also die Art Kinder die man seinem schlimmsten Feind an den Hals wünschen würde, und jene die dauernd am Heulen und Jammern waren, also solche die man auch nicht haben will.

Danach die erste Abwahl : Katarina (Blondchen) raus;
Geschrei, Küsschen-Orgie links rechts links, Tränchen, Umarmung, wieder Geschrei vom Publikum und aus – Abmarsch.

Was fast peinlich begann, entwickelt sich nun zu einem Finale Furioso mit allem Zip und Zap.
Scriptet Reality, besser hätte ich es nicht schreiben können.
Eingeleitet von einer zusätzlichen Werbepause und einer Bauchbinde “Technische Probleme” wurde der geneigte Zuschauer darauf vorbereitet, dass hier etwas gehörig aus dem Ruder läuft. Dann, zack, startet der Spielfilm “Blinde Side” und uns allen wird klar, „Big Mike“ kann nicht der Sieger der Staffel sein.
Über Twitter und Periscope bekommt man zwischenzeitlich mehr Informationen.
Unterbrechung wegen Kalorien-Bombendrohung.
Heidi, Jury und VIPs werden evakuiert, das gemeine Publikum darf hocken bleiben.

Im Nachhinein erfährt man, dass Onkel Joop die ganze Nacht zitternd im Anzug aufrecht im Bett eines drittklassigen Hotels irgendwo in der hessischen Provinz hockte.
Er fühlte sich wohl an die schlimme Nachkriegszeit mit ihren Verdunkelungen erinnert, jene düstere Zeit die Onkel Joop offensichtlich noch leibhaftig erlebt hat.
Währenddessen sei Tante Heidi kreischend einem Mann mit Prinz-Eisenherz-Frise durch die Halle nachgerannt.

Mir ist offen gesagt völlig egal, warum diese hirnfreie, sinnlos aufgeblasene, frauenverachtende Scheisse vom Sender genommen wird. Aber Entschuldigung, dass diese Highlights der Staffel, unbeobachtet von Kameras dem Zuschauer vorenthalten wurden, ist eine bodenlose Frechheit.
Ich sage nur: Prinz-Eisenherz-Frisur, bibbernder Onkel Joop und Mannheim – muss man mehr sagen?
Ich meine Mannheim klingt doch schon wie Pusemuckel.
Das alles erinnert mich an den grandiosen Film “The Pink Panther”, als Peter Sellers in diesem französischen Kaff im Affen- und Zebrakostüm um den Brunnen rannte.
Ein echtes Highlight der Filmgeschichte und wir durften den Wahnsinn aus Mannheim nicht sehen!!
(Ich bin mir sicher, hier kann nur der investigative Journalist Jan Böhmermann dahinter stecken)

Inzwischen ist auch der wahre Grund für den Abbruch bekannt.
Irgend ein Produktionsassistent hat der längst ausgeschiedenen Darya hinter den Kulissen zugeraunt, dass eine gewisse Eva wohl das Finale gewinnen soll, worauf Darya entrüstet brüllte:
“Wer ist Eva? Die kann GNTM nicht gewinnen! NUR ICH KANN DAS!”
“Die haben gesagt, die wollen Eva küren!”
“EVAKUIEREN!”
Damit fing wohl alles an.

Nun haben Pro7 und der Klum-Clan einen neuen Termin unter Ausschluss der kreischenden Teenie-Kulisse bekannt gegeben – aber wen interessiert das noch?
Am Ende hat uns Heidi doch wieder die lange Nase gezeigt und ich bin mir sicher, sie wusste schon im Voraus, als sie sich das rote Ding überstülpte, welches Slapstick-Feuerwerk sie zünden würde.

Heidi Rednose

(Heidi Klum kurz bevor sie das Kabaretistische-Feuerwerk des Jahres zündete und die Sendung für die TV-Zuschauer abgebrochen wurde.)

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