Gesellschaft zwischen Wahn und Wahnsinn

Es ist schon erstaunlich, dass sich Vertrottelung oder besser gesagt totaler Schwachsinn zum Erfolgskonzept des neuen Jahrtausends entwickelt.

Wow – ist das nicht schön? Und welche Möglichkeiten das eröffnet für all die Trottel da draußen in der Welt. Da kann man doch nur applaudieren!
Fast wie eine kleine Kulturrevolution. Genannt: Spaßgesellschaft.
Da entwickeln wir uns hin zu einer Gesellschaft von ausgemachten Deppen.
Bin ich doch früher immer davon ausgegangen, dass es zumindest eines groben Grundsortiments an Tassen im Schrank bedarf sich im Leben zu behaupten – so wird man doch täglich eines besseren belehrt.
Wenn mich jemand kennt, dann weiß er, dass ich eins wirklich total und über alles hasse – dann ist das frei vor der Brust zur Schau getragene Dummheit.
Und ich spreche jetzt nicht von Leuten die einfach etwas blöd sind, weil nicht genug Watt in der Birne brennt (dafür können die ja nichts) nein ich meine die, die noch einen gewissen Stolz darauf entwickeln dass sie wirklich gar nichts können.
Früher konnte ich noch lauthals darüber lachen wenn sich jemand als dämlich geoutet hat.
Man konnte schön mit dem Finger auf ihn oder sie zeigen und sagen: mei habt ihr gesehen wie dämlich der/die ist?
Wenn man das heute macht, dann kapiert kaum noch jemand, was man eigentlich meint…
Ich frage mich, ob das ansteckend ist?

Inzwischen habe ich bereits eine Psychose entwickelt. Ja ich gebe zu, ich habe Angst.
Bibbernd sitze ich vorm Fernseh und bin fassungslos. Ich sehe Stefan Raab wie er in tv-total junge Menschen fragt wie unser Bundeskanzler heißt. Und ich sehe junge Menschen die alles mögliche antworten und sich dann fast dabei vor lachen in die Hose machen weil sie nichts wissen – und das Publikum ist rasend vor Begeisterung.
Schnell schalte ich um auf Deutschland sucht den Superstar.

Ich denke ein Superstar ist so was wie ein Vorbild eine Leuchte unter all den geistigen Tieffliegern doch dann sehe ich dem Wahnsinn mitten ins Gesicht – diese hässliche Fratze der ausgemachten Blödheit und je blöder man ist, umso besser ist das anscheinend für die Karriere.
Bei den jungen Frauen zählt doch eh die Tittengröße mehr als die Ausbildung. Aber da schweigt man nicht drüber, nein, das wird bis zur Selbstqual ausgeschlachtet und dem staunenden Zuschauer vor die Birne geknallt bis man einem Tinitus erliegt.
Aber nicht nur im TV bei jungen Frauen – nein nein, das gibt es auch bei den alten Frauen.
Man hat sich schon fast dran gewöhnt dass man beim Bäcker steht und irgend so ne Schnäpfe kommt rein und lässt sich z.b. als Frau Doktor xy ansprechen, von der man ganz genau weiß, dass die nicht länger in der Schule war als zu wissen wie man den BH schließt. Ich sage mir dann immer, noch so ne Schnickse die am Standesamt promoviert hat.
Das klappt natürlich umgekehrt bei Männern genauso gut.
Ich bin ein großer Fan von Bach (dem Komponisten, nicht der kleine, dicke Witzige!). Da stehe ich also auf einem Empfang zu dem ich geladen war und höre Bach und ich Idiot sage noch zu einem Kerl der neben mir steht: „Mögen sie auch Bach?“ sagt der zu mir: „Ja ja, aber das was die da eben spielen ist nicht Bach, das ist aus Phantom der Oper…“
Jetzt muss man dazu sagen, dass eben dieser Mann ein Gesellschafter einer ziemlich bekannten Firma ist, deren Name ich jetzt lieber verschweige.
Das schlimme an der ganzen Sache ist, dass wir eigentlich gar nicht mehr davor erschrecken, sondern es lustig und schrullig finden.

Ich erinnere mich gerne an meine Schulzeit und vergleiche das mit heutigen Schülern.
Wenn man heute in der Schule ist, muß man als Junge darauf achten, daß man schön Fresse aufreißen kann, cool wirkt, dabei die richtige Kappe frech schräg im Gesicht trägt und natürlich die richtige Sonnenbrille, dann hat man einen Schlag bei den Mädels und zusammen träumt man dann mit seinem Traumgirl wie man ihr die Brüste aufblasen lässt und dann Karriere macht als irgendwas, hauptberuflich Superstar.
Bei mir war das irgendwie anders in der Schule.
Wenn man da einige male beim Lehrer dran kam, einen roten Kopf bekam und nichts wusste, dann hat einen gerade dieser Lehrer immer wieder gerne auflaufen lassen, quasi als abschreckendes Beispiel.
Kurzum, schnell war man bekannt als der Klassen-Idiot der eben ein wenig doof ist..
Da hatten man plötzlich so gar keinen schlag mehr bei den Girls und da half einem auch ein frech schräg im Gesicht sitzendes Nike-Cap nix.
Da war man fertig und zwar fix und.
Das hat sich ja inzwischen gottlob geändert und man kann auch als ausgemachter Schwachkopf bei den Mädels punkten.
Am ende geht’s mir wie meinem Lieblingsantiheld Holden Caulfield, der sich fragt:
also entweder bin ich verrückt geworden, oder die ganze Welt ist es…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.