Die Geschichte einer Freundschaft – oder NSA vs. BND

 

Anlässlich der jüngsten Entwicklungen im BND / NSA Skandals, ist es angebracht einmal über Freundschaft nachzudenken.

Diese ständig wiederholte und offen zur Schau gestellte Freundschaft zwischen der Bundesrepublik und den USA. Manchmal kann man es schon kaum noch hören wenn unsere Politiker von dieser „alternativlosen” Freundschaft schwadronieren. Doch diese Freundschaft, die wohl nie so richtig auf Augenhöhe war, hat Risse bekommen. Nicht zuletzt durch Herrn Snowden und diese unschöne Abhörgeschichte des Kanzlerhandys.

Vielleicht, und zu diesem Schluss muss man kommen, ist diese Freundschaft nicht mehr wert als die Freundschaft zu einem einfältigen Nachbarn. Dieser nette Kerl, der zwar immer gerne hilft wenn wir den Rasenmäher auf die Wiese heben, von dem wir aber denken – ach der arme Hund ist zwar blöd aber nett.

Doch egal wie eng eine Freundschaft sein mag, ein Freund würde niemals zum anderen sagen “wenn Du nicht machst was ich will, bekommst du Ärger…” Freunde ausspähen ist schon ein dickes Ding, oderwieunsere Kanzlerin sagte “das geht garnicht” – aber Freunde anhalten seine Freunde auszuspähen ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten und zeigt nüchtern betrachtet was dieser Freund von einem hält.

Was die Geheimdienstarbeit betrifft, so wird diese zu gerne gerechtfertigt mit einer Sicherheitsbedrohung. Pünktlich im Zweimonatstakt bekommen wir brav die Meldung dass irgendwo, irgendwie ein Anschlag vereitelt wurde um das gemeine Volk bei der Stange zu halten. Was das für eine Sicherheitsbedrohung war und was genau verhindert wurde erfahren wir leider nie, ebenfalls mit dem Hinweis auf Geheimhaltung. Über den Wert solcher Informationen lässt sich also nur spekulieren. Seit Jahren wird darüber gestritten ob wir, die Allgemeinheit, nun mehr Nutzen oder mehr Last zu tragen haben und es gibt zahlreiche Belege dafür, dass wir für den Preis der verlorenen Freiheit und der immensen Einschnitte in unsere Privatsphäre unterm Strich nichts gewonnen haben.

Christian Ströbele, Abgeordneter der Grünen, beschäftigt sich als Mitglied des Geheimdienstausschusses des Bundestags mit der Arbeit der Nachrichtendienste. Er sagt: “Wir stellen immer wieder fest, dass sie vor allem dann Informationen nach Außen tragen, wenn es ihnen etwas nützt.” Wer hat also etwas davon? In diesem Fall, so die Vermutung des Berliner Politikers, könnten die USA ein Interesse an der Terrorwarnung haben.

Fakt ist aber auch, die Bombenleger in Frankfurt wurden wie so oft, mehr oder weniger durch einen Zufall durch eine aufmerksame Angestellte eines Baumarkts entdeckt. Die Boston-Bomber beim Marathon wurden damals garnicht entdeckt ebenso wie der Anschlag auf die U-Bahn in Madrid. Charlie-Hebdo – waren alle Geheimdienste völlig ahnungslos. Diese Liste ließe sich nun weiter und weiter führen und die Gegenseite argumentiert, dass dies nur ein Beleg dafür wäre um noch mehr Überwachung zu ermöglichen und die Einschnitte in unsere Privatsphäre zu erhöhen. Ich sage nein! Wohin sollte uns das führen? Warum sperrt man nicht alle Bürger vorsorglich ein um die Gefahr zu eliminieren?

Längst hat sich das System verselbstständigt und dient nicht mehr dem Bürger sondern überwacht ihn. Der Bürger ist nicht mehr selbstbestimmter Herr der Situation sondern er ist nur noch unberechenbares Gefahrenpotential. Wenn das das Resultat unserer engen Freundschaft zu den USA ist, kann ich gerne darauf verzichten.

Wie sehr sich das System verselbständigt hat zeigt sich gerade jetzt in diesen Tagen in den nicht einmal unsere Bundesregierung tatsächlich sagen kann wer oder was von wem überwacht wird und wozu. Firmenspionage, gewählte Politiker – alles im Zielsucher eines mächtigen völlig unkontrollierten Spionagesystems. Das wirklich perfide daran ist, wir haben frei und selbstbestimmt entschieden, Produkte von Microsoft, Google umd Apple zu nutzen. Wir telefonieren ohne Zwang mit dem GSM-Funkstandard und freuen uns, dass das Smartphone uns per GPS den Weg zeigt. Wir alle haben zwar grummelnd, aber vollkommen bewußt der Totalüberwachung zugestimmt, weil es so schön bequem ist. Wir sind gänzlich dem System ausgeliefert.

Nun mag vielleicht meinen, was daran so schlimm ist wenn man nichts zu verbergen hat. Doch ein System dass außer Kontrolle ist, von dem keiner mehr weiß wer von wem überwacht und gesteuert wird, sammelt eben nicht nur Daten von Menschen die nichts zu verbergen haben, es zieht auch eigene Schlüsse was eine Bedrohung ist und was nicht. Dieses System wird in seinem Überwachungswahn immer eine Bedrohung in jedem von uns sehen weil es nur einen Zweck verfolgt, sich selbst vor Bedrohung zu schützen.

Der ein oder andere mag nun denken dieser Gedanke ist überzogen und fast paranoid – aber ich bin mir sicher das gleiche hat sich unsere Kanzlerin auch vor einigen Tagen gedacht bevor sie wusste wie weit sie selbst unter Beobachtung steht. Ich habe mich dazu entschieden ich kann auf so eine Freundschaft verzichten. Eine Freundschaft zu den USA die uns dazu zwingt immer mehr zu misstrauen, zu überwachen und auszuspähen. Eine Freundschaft die lange keine mehr ist oder vielleicht außer Abhängigkeit nie eine war. Mir ist die Freiheit mit Gefahren einfach wichtiger als die scheinbare Sicherheit in einem totalitären Überwachungsstaat. Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich Europa auf seine Tugenden und Stärken konzentriert.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Sind wir wirklich der kleinere und dümmere Bruder der USA? Ist nicht unsere Wirtschaftskraft stark und unsere Überzeugungen wertvoller als die angebliche Abhängigkeit von den USA? Für Europa ist es jetzt an der Zeit sich auf seine Stärke und Kultur zu besinnen und Eigenverantwortung zu übernehmen den eigenen Weg zu gehen und zu verstehen dass es nicht das System ist, was beschützt werden muss, sondern die Freiheit seiner Bürger.

Einer Bundesregierung, die ihrem vermeintlichen Freund den USA so folgt und sich derart unter Druck setzen lässt, verlangt gleichzeitig von ihren ausspionierten Bürgern, dass wir ihnen nun blind vertrauen, dass sie in den TTIP-Verhandlungen mit den USA hinter verschlossenen Türen aufrecht europäische Interessen verteidigen. Bei dem Gedanken dass auch noch unsere Goldreserven in Fort Knox gelagert sind, wird mir etwas schummrig.

Aber Freunden kann man ja vertrauen……….

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.