Die Kunst frei zu sein

Irgendwann im Leben, steht jeder von uns vor der Entscheidung frei zu sein. Dieser schmale, verwinkelte und schwere Pfad, den wir zwar alle zwar bewundern, uns aber nie so recht trauen ihn zu gehen.
Wenn ich sage frei sein, dann rede ich nicht von diesen Hobby-Rockern die sich mal eben einen „Born to be wilde“ Button frech aufs Jäckchen pappen um am Wochenende zwischen 19 und 23 Uhr Maulhelden zu sein und davon zu schwadronieren wie geil und „free“ ihr Leben ist.
Pünktlich ab Montagmorgen 8 Uhr ist nichts mehr übrig davon, wenn sie sich einreihen an der Stechuhr verdammt dazu die Klappe zu halten bis zum nächsten Wochenende.

Nein – ich meine diese Freiheit ganzheitlich und hauptberuflich zu sagen was man denkt und darauf zu vertrauen, dass das Leben wird einen schon treiben wird wohin man gehört.
Wenn man zu der Erkenntnis kommt, das Leben ist einfach zu kurz und zu schade um billige Kompromisse einzugehen und Dinge zu tun die man eigentlich nicht machen will.

Irgendwann kam der Zeitpunkt als ich mich dazu entschlossen habe nicht länger „Grau“ zu sein, sondern das Leben in Schwarz und Weiß einzuteilen.
Zuerst begann es ganz langsam, fast schleichend bei der täglichen Arbeit mit dem Satz: „Das kann man schon so machen, aber dann wird’s halt Scheisse”.

Schnell musste ich erkennen dass im Design-Business eine klare Meinung nicht gerade gefragt ist. In der hippen und durchgeknallten Welt der Werbung reagieren manche Marketingheinis doch sehr intolerant auf abweichende Meinungen obwohl sie selber keine blasse Ahnung haben. Doch im Nachgang musste man dann doch immer erkennen, dass es besser gewesen wäre, es doch so zu machen, wie ursprünglich angedacht. Meist hatte man dann schon Stunden damit verbracht, den ganzen Mist so hinzukritzeln, wie die Fremdmeinung es vorgab, mit der Erkenntnis dass es Scheisse war und ist.

Sammelt man einige dieser Erfahrungen, wächst in einem der unbändige Wunsch endlich frei zu sein ohne Kompromisse – entweder das oder den Kunden erwürgen und mit seinem Touchpad erschlagen.
Ich habe mich für ersteres entschieden.

Heute rückblickend muss ich sagen, es war die beste Entscheidung meines Lebens.
Ist man einmal über das erste Stadion hinaus, in dem man als schrulliger, eingebildeter Besserwisser gilt und sich die halbe Welt von diesem schrulligen Zausel abwendet, wird es irgendwann besser und besser.
Man findet neue Menschen, ähnliche Charaktere die auf dem gleichen Weg sind. Man befreit sich aus der Affenschaukel der kleingeistigen Spießer und man entdeckt eine neue freiere Welt sobald man seinen Platz im Karussell der angepassten Idioten geräumt hat.

Natürlich wissen die Leute inzwischen dass es mit mir nicht immer einfach ist, dass ich aber sage was ich denke und tue was ich sage.
Man muss lernen auf die Meinung derer die noch immer im Karussell strampeln und buckeln zu pfeifen.

Es ist ein langsamer und schwieriger Lernprozess denn lehrt uns die Gesellschaft dass die Meinung der Masse doch verflucht wichtig ist.
Heute bin ich so frei zu sagen, was jemand über mich denkt oder sagt der nicht versteht welchen Weg ich gehe, ist mir egal. Mein Leben ist einfach zu schade und zu kurz dass ich es für andere Lebe und ihnen gefalle.
Es ist auch zu aufregend um darauf zu verzichten über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Doch die Gesellschaft möchte keine Ausbrecher die frei sind.
Sie wollen dich fesseln und halten damit du gemeinsam mit Ihnen im Hamsterrad strampelst. Sie binden dich mit vielen kleinen Tricks und Kniffen mit ihrer Angst vor der Alterversorge, mit vielen Ratenkrediten und Bausparverträgen und mit dem künstlichen Bild vom Glück – ein Häuschen mit englischem Rasen und Buchsbäumchen, mit 2,3 Kindern und einer Frau die Tupperabende veranstaltet und im Kirchenchor singt.

Die Gesellschaft hat nichts übrig für Ausbrecher und Freigeister die diese Vorstellung verabscheuen und je mehr Reibung und Anfeindungen dadurch entsteht, um so genauer weißt du, dass du eigentlich auf dem richtigen Weg bist.

Heute nehme ich mir die Gelassenheit über solche Ablehnung hinweg zu sehen aber ich nehme mir auch die Freiheit einem Hornochsen zu sagen was ich von ihm denke wenn ich einen treffe.

Wenn ich heute in einen Spiegel blicke, fühle ich mich gut und frei und ich bin stolz darauf immer gesagt zu haben was ich denke, ob es nun gut ankam oder nicht.
Innerlich muss ich grinsen wenn sich wieder wer das Maul zerreißt und ich mir dadurch klar werde wo ich stehe – außerhalb des Systems als freier Geist.

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