Die entartete Kunst der Bundesregierung

So jetzt haben wir den Salat. Die Erdogan/Böhmermann-Papers!
Dachte unsere Kanzlerin ernsthaft, sie könnte einen Despoten mit einfachem Geschwätzt einlullen und davon abbringen dem Rechtsstaat zu zeigen, wie man als Diktator mit Kritikern umzugehen hat. Falsch gedacht!

Damals in unserer dunkelbraunen Vorzeit, hatten wir diese Gesetze gegen „entartete Kunst“ und womöglich ist Herrn Erdogan nicht aufgefallen, dass wir diese Gesetze zwischenzeitlich abgeschafft haben. Die Erfahrungen waren hier wohl eher semioptimal.
Inzwischen kann doch jeder Schwachmatikus von sich geben was er will und wir ertragen sogar einen Mario Barth mit seinem inzwischen penetranten Gelalle.
Egal ob die Griechen ein Bild von Angela Merkel in Naziuniform zeigen, oder die Titanic ein Bild vom Papst in eingepisster Robe. das haut den aufgeklärten Europäer noch lange nicht vom Sockel.

Es ist noch garnicht so lange her, da waren wir alle Charlie Hebdo.
Wir waren mutig, sind aufgestanden für das Recht Mohammed-Karikaturen zeigen zu dürfen und wir waren stolz darauf, all diesem Terrorgeschmeiß oder religiös verblendeten die Stirn zu bieten denn unsere Waffe ist die Meinungsfreiheit.
Doch all das scheint vergessen, wenn man nur kleine Anmerkungen über Erdogans Gemächt macht. Hier hört der Spaß offenbar aus, weil es ja um einen türkischen Mann geht und die können das wohl nicht so gut ab. Dafür müssen wir natürlich Verständnis haben wenn es um die Befindlichkeiten eines einzelnen geht.
Ich weiss halt nicht was mit deren Pimmeln nicht stimmt, aber irgendwie scheint das kompliziert zu sein wenn man darüber spricht.
Als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ werden dann solche Aussagen eingestuft.
Zum Glück ist es mit den Frauenrechten in der Türkei nicht weit bestellt und man stelle sich vor die kämen auch noch um die Ecke mit Befindlichkeiten.

Man traut sich dieser Tage sowieso kaum noch was zu sagen, um ja nicht irgendwelche Diktatoren zu verärgern. Putin, Kaczynski, Orban, Lukaschenko und nun Erdogan.
25 Jahre nach der Osterweiterung, scheinen Diktatoren auf dem Vormarsch und wo noch keine Diktatoren etabliert sind, tobt der braune Mob. Keine besonders gute Zeit für Satire, keine gute Zeit über Ziegenficker zu schreiben wo doch Diktatoren so selten herzhaft über sich selber lachen können.
Erdogan scheint aber ein echter Liebling zu sein.
Darf er hier in unserem Land seinen Wahlkampf machen und nun auch einem hiesigen Satiriker einen deutschen Staatsanwalt auf den Hals hetzen.
Ab und zu schaue ich aus dem Fenster um zu überprüfen ob nicht schon irgendwo der rote Sichelmond über den Rathäusern weht.

Besonders amüsant ist es doch, dass uns ausgerechnet einer, der in seinem Land Zeitungen schließen, und 2.000 Journalisten verhaften lässt, mit Geheimpolizei seine Bürger terrorisiert und einige Kurden in die Luft sprengt, dass gerade so jemand uns eine Lektion in Sachen Rechtsstaatlichkeit erteilt.
Schön zu sehen, wie die Bundesregierung zu all dem schweigt, aus Angst er könnte die schönen neu gekauften Flüchtlingszelte wieder abbauen lassen.

Als unsere Kanzlerin über ihren Pressesprecher verlauten ließ, für wie schäbig sie Jan Böhmermanns Gedicht über Erdogan hält, freute ich mich schon, wir würden fortan wöchentlich Angela Merkels Eindrücke in der Bundespressekonferenz zu einzelnen Künstlern vorgesetzt bekommen.
Was sagt Angela Merkel über Helene Fischer oder Diether Bohlen? Aber nein, sie fühlte sich einfach mal frei über eine Darbietung spontan ihre Meinung, quasi als Privatperson in die Welt zu verkünden.

Es ist schön zu wissen, dass in diesen komplizierten Zeiten, sich die Politiker die Zeit nehmen, das Neo-Magazin und das Abendprogramm im Allgemeinen zu analysieren.
Das macht sie so herrlich menschlich.

Vielleicht hat Frau Merkel einfach bei den Grundrechten, die sie 1989 in der DDR erst erstritten hat, diese Pressefreiheit nicht mehr auf dem Schirm. Zu SED Zeiten war das auch nicht so angesagt, wer kanns ihr verübeln.

Doch nun liegt der Ball bei der Bundesregierung, die entscheiden kann, ob aus einer Satire nun die Satire des Jahrhunderts wird.

Und vielleicht werden wir alle Zeuge wie sich einer am Ende selber in den Fuß schießt.
Egal was kommt – einer wird am Ende heulen und klagen und ich glaube nicht, dass es Jan Böhmenmann sein wird.

 

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